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Ortschaften

Die Gemeinde Ilsede besteht aus elf Ortschaften/Ortsteilen.

Geschichte der Ortschaften der Gemeinde Ilsede (Kurzdarstellung):

Adenstedt

Wappen von Adenstedt

Als älteste sichtbare Spuren einer Besiedlung in der Adenstedter Gemarkung findet man die beeindruckenden Hügelgräber aus der Bronzezeit im Adenstedter Lah (Wald). Funde von Hausgrundrissen aus der Römischen Kaiserzeit fanden sich 1955 bei Straßenbauarbeiten, ebenso Verhüttungsreste des hiesigen Eisenerzes. Die erste schriftliche Erwähnung vom Dorf Adenstedt ist, leider ungenau datiert aus der letzten Dekade des 12. Jahrhunderts, in einem Abgabenverzeichnis des Hildesheimer Domkapitels zu lesen. Für die 800-Jahrfeier im Jahr 2013 war eine andere Datierung ausschlaggebend. Der Ministeriale Ernestus von Adenstede trat 1213 in einer Urkunde des Erzbischofs Siegfried von Mainz als Beurkundungszeuge auf.

1290 löste Bischof Siegfried von Hildesheim die Adenstedter Kapelle von der Kirche in Solschen und machte sie zur Pfarrkirche St. Briccius. Hier war der Schriftsteller Johannes Sander von 1568 bis 1593 Pastor. 1750 heirateten hier die Adenstedterin Dorothea Margarethe Boes und Johann Daniel Hoffmann. Aus dieser Verbindung entstammte ihr Enkel der Nationaldichter August Heinrich Hoffmann von Fallersleben.

Die Gründung der Ilseder Hütte 1858 beruhte zum großen Teil auf der Ausbeutung des Adenstedter Eisenerzes, der Erfolg dieses Unternehmens machte 150 Jahre die ganze Region zu einer Industrielandschaft. Die reichsweit gesteigerte Erzförderung durch das Hindenburgprogramm führte 1916 zum Abbruch des alten Dorfzentrums mit Kirche und Schule. Nach dem Neuaufbau, auch der Kirche, ist heute keine Spur vom Tagebau mehr zu finden. Dem großen Zuzug der Vertriebenen nach 1945 folgte erst spät ein verstärkter Wohnungsbau. Im Jahr 1969 errichtete die katholische Gemeinde ein Gotteshaus, das leider nur 40 Jahre bestand.

Adenstedt war stets führend im Bau von Sport-und Freizeitanlagen. Die günstige Baulandentwicklung der letzten Jahrzehnte haben dem Ort eine gute Zukunftschance erbracht.

Autor: H.-J. Wolff

Bülten

Wappen von Bülten

Die Ortschaft wird 1318 erstmalig - so das Geschichtliche Ortsverzeichnis des Landkreises Peine - in den Lehnsbüchern der Herzöge von Braunschweig und Lüneburg erwähnt. Funde in der Feldmark weisen darauf hin, dass schon in der Steinzeit am Fuhseufer Menschen gelebt haben. Die 2004 herausgegebene Chronik von Klein Bülten nennt noch zwei mögliche frühere Erwähnungen: 1232 und 994.

Um die Wende zum 20. Jahrhundert, als die Bergbaubetriebe von Groß Bülten von der Ilseder Hütte ausgebaut wurden, zogen Bergleute aus dem Harz und aus Hessen in das Dorf. Ein weiterer Zustrom begann mit der Errichtung des Emilie-Schachtes kurz vor Beginn des 2. Weltkrieges. Nachdem die Bevölkerungszahl auf rund 2.500 Einwohner angewachsen war, wurde die Gemeinde von "Klein Bülten" im Jahre 1966 in "Bülten" umbenannt. Der Bergbaubetrieb wurde am 31. März 1976 eingestellt.

Gadenstedt

Wappen von Gadenstedt

Funde von Feuersteinabschlägen, Rückenmesserchen und Langbohrer werden dem Magdalenien zugeordnet, einer archäologische Kulturstufe am Ende der letzten Eiszeit (um 15000 v. Chr.). Weitere Keramikfunde aus der Eisenzeit (700 v. Chr.) lassen somit eine frühe Besiedlung vermuten. Die historisch früheste Erwähnung findet sich in den sogenannten Corveyer Traditionen (Schenkungsurkunden): 822/823 „übereignete Osdac in Guddianstede, was er dort besaß, sei es an Menschen, Ländereien oder auch an Wäldern“. Eine weitere Erwähnung zu Gudenstide (Gadenstedt) findet sich in einer Urkunde des Michaelisklosters zu Hildesheim von 1204. Das Anwesen derer von Gadenstedt prägt das Dorf über Jahrhunderte. Patronatskirche, Alter und Neuer Gutshof, sowie 48 Höfe bilden die Keimzelle der Besiedlung bis ins frühe 19. Jahrhundert. Mit beginnender Industrialisierung, insbesondere durch die Ilseder Hütte ab 1856, erweitert sich das Junkern- und Bauerndorf zur Arbeitergemeinde. Neue Siedlungen entstehen im Norden und Westen des alten Dorfkerns. Durch den Wohnungsbedarf vieler Heimatvertriebener als Folge des 2. Weltkrieges dehnt sich Gadenstedt rechts und links der Landwehr weiter aus.

1964 eröffnen die damals selbständigen Gemeinden Ölsburg und Gadenstedt das Freibad am Bolzberg. Die Beliebtheit des Bades weit über die Gemeinde Ilsede hinaus ist auch auf die sehr ruhige Lage und die gelungene Einbettung in die Landschaft zurück zu führen. Das Bad ist ein wichtiger Bestandteil für die aktive und sinnvolle Freizeitgestaltung, aber auch Vereins- und Schulsport profitieren davon.

1972 schließen sich Adenstedt, Gadenstedt, Gr. Lafferde, Münstedt und Oberg zur Einheitsgemeinde Lahstedt zusammen. Gadenstedt wird Sitz der Lahstedter Gemeindeverwaltung, bis am 1.1.2015 Lahstedt mit der Nachbargemeinde Ilsede fusioniert.

Ein geologisches Juwel ist der Bolzberg am Nordrand des Dorfes. In dem Landschaftsschutzgebiet tritt Unterer Muschelkalk zu Tage. Es ist ein besonderes Erlebnis, innerhalb einer nur flach gewellten Landschaft plötzlich vor den 10 Meter und mehr senkrecht aufstehenden Wänden des alten Steinbruchs zu stehen. Die steil aufstehenden und teilweise sogar überkippten Schichten lassen ahnen, welche Kräfte einst hier wirksam waren, als das Salz aus größeren Tiefen empor gepresst wurde. Die wirtschaftliche Bedeutung des Bolzberges bestand in der Ausbeutung des Gesteins. Stumme Zeugen dieser Zeit sind in Gadenstedt unter anderem die St. Andreaskirche, Herrenhaus und Wirtschaftsgebäudes auf dem Gutshof. An vielen Teilen dieser Gebäude sind noch heute die im Volksmund „Bolzeberger“ bezeichneten Kalkbruchsteine zu sehen.

Mittelpunkt des Dorfes bildet die gotische St. Andreaskirche. Die Kirche ist ein einschiffiger, mehrfach erweiterter Bruchsteinbau. Sie wurde 1420 anstelle einer vorhandenen kleineren Wehrkirche an den gegen 1200 errichteten romanischen Turm angebaut. Von besonderer Bedeutung ist die 1683 von Otto Eilhart Batienter erbaute Barockorgel. Die Orgel, ein einmanualiges Werk mit angekoppeltem Pedal, hat im Laufe der Jahrhunderte allerhand Änderungen erfahren. Erhalten seit 1683 sind aber ein Zimbelstern und ein Register mit Vogelgeschrei, Kuckucksruf und Lerchengesang.

Das Rittergut der Familie von Gadenstedt lässt sich ab 1126 nachweisen. Der Gutsbezirk grenzt direkt  an die Kirche. Das Alte Herrenhaus, ein zweistöckiger Fachwerkbau erbaut um 1700, wird 1980 abgerissen und durch eine kleine Neubausiedlung ersetzt.  Das Neue Gutshaus, 1833 erbaut, 1888 erweitert, liegt in einem ausgedehnten Park. Es ersetzt ein 1829 abgerissenes Herrenhaus, das mit einem „Burggraben“ umgeben war. 1961 wird das Gut mit seinem umfangreichen Land- und Waldbesitz verkauft und damit endet auch das kirchliche Patronat des Barons von Gadenstedt.

An der Nordseite der St. Andreaskirche steht seit 2015 neben dem Mahnmal für die Gefallenen und Vermissten  beider Weltkriege der wiedergefundene Gedenkstein für 17 sowjetische Kriegsgefangene, die während des „Dritten Reichs“ in Folge ihrer Zwangsarbeit auf der Ilseder Hütte dort verstarben, im Bolzberg begraben und 1963 nach Clausthal-Zellerfeld umgebettet wurden.

In der ehemaligen "Schule II", Am Thie 1 befinden sich die Bücherei und die Heimatstube Gadenstedt. Dieses Dorfmuseum wird ab 1988 aufgebaut. Die umfangreiche Ausstellung über 3 Etagen setzt sich zusammen aus Geräten, Gebrauchsgegenständen, Kleidung und Möbel aus Handwerk, Landwirtschaft und Haushalt, sowie einer Spielzeugsammlung und Fotodokumenten zur Gadenstedter Geschichte. Halbjährlich findet ein Tag der offen Tür statt. In Ausstellungen und Diavorträgen werden jeweils besondere Aspekte der Dorfgeschichte von der Heimatgruppe Gadenstedt e.V. ausgearbeitet und dargestellt.

Autor: Wolfgang Klingenberg, zusammengestellt aus verschiedenen Quellen.

 

Groß Bülten

Wappen Groß Bülten

Der Ortsteil hat heute den Charakter einer Wohngemeinde. Bis 1935 wurde im Bereich des Ortsteiles Eisenerz im Tagebau gefördert. Es wird vermutet, dass Groß Bülten eine fränkische Siedlung ist, die im Zuge der Christianisierung des Fuhsetals errichtet wurde. In einer Urkunde vom 7. Februar 1131 wird Land in Groß Bülten als Besitz des Klosters Riechenberg bei Goslar erwähnt.

 

Groß Ilsede

Wappen Groß Ilsede

Das Dorf feierte 2003 sein 950jähriges Bestehen, gestützt auf eine Urkunde aus dem Jahre 1053, nach der Kaiser Heinrich III. "den ganzen früheren Besitz des geächteten Tiemo" in den Dörfern Garmissen, Groß Ilsede, Dungelbeck und Südbolzum der Kirche zu Hildesheim übergibt. Der Ort gehört zu den fünf Junkerndörfern des Kreises Peine und unterstand in der niederen Gerichtsbarkeit den Herren von Ilsede und nach deren Aussterben 1399 den Herren von Gadenstedt. Die junkerliche Oberhoheit dauerte in der letzten Phase bis 1873 an.

Im Jahre 1860 begann mit der Inbetriebnahme des ersten Hochofens in Groß Ilsede die Roheisenproduktion der hier gegründeten Ilseder Hütte, nachdem bereits einige Monate zuvor die Erzförderung der Grube Bülten-Adenstedt angelaufen war. Im Jahr 1983 wurde der Hochofenbetrieb eingestellt.

Groß Lafferde

Wappen von Groß Lafferde

Der Marktflecken Groß Lafferde (von Harry Willich)

Aus der allgemeinen Ortsbezeichnung "LOFERDI" kann der Rückschluss auf das Alter und auf die Lage der Siedlung bestimmt werden. Germanische Orte mit der Endsilbe "di" finden ihren Ursprung etwa im 2. Jahrhundert nach Christi Geburt. Die Ortsbezeichnung "Loferdi" (Waldfurt) sagt uns, dass zur Gründerzeit ein Wald und eine Furt als Geländeform vorhanden waren.

In einer Urkunde im Besitztumsverzeichnis des Klosters Corvey aus dem Jahre 825 wird angezeigt, dass die Siedlung 11 Jahre nach dem Tode von Karl dem Großen in den Besitz der christlichen Kirche überging.

In den folgenden 1000 Jahren wird der Ort, wie kein anderer in der Gegend, immer wieder durch Machtkämpfe der Herzöge aus Braunschweig und dem Bistum Hildesheim von schlimmen Kriegen heimgesucht. Schon im 14. Jahrhundert übernahm die Ortschaft eine wichtige Rolle im Bistum Hildesheim. Im ehrwürdigen Rathaus auf dem Thieplatz wurden viele Streitigkeiten verhandelt, um Waffengänge zwischen den zerstrittenen Fürstenhäusern zu vermeiden.

Im Jahre 1587 gründete der Pastor Bartold Cordes in Groß Lafferde die erste Schule im heutigen Kreis Peine. Dem Pastor folgten weitere Personen aus Groß Lafferde, die zu ihrer Zeit erkannten, dass Bildung nicht nur den Stadtmenschen vorbehalten war. Ernst Christoph Boettcher, 1697 in Groß Lafferde geboren, gründete 1762 in Hannover eine Freischule zur Heranbildung von Landschullehrern. Johann Peter Hundeiker, 1751 in Groß Lafferde geboren, gründete hier eine Bauernschule mit Anfangs 10 Schülern. Als die Schülerzahl auf 60 angewachsen war, eröffnete er darauf ein Pensionat. Angesehene Familien aus dem Braunschweiger und Hildesheimer Land schickten ihr Kinder nach Groß Lafferde. Auch aus Frankreich und England eilten Zöglinge herbei. Friedrich Behrens, 1836 in Groß Lafferde geboren, schenkte als Kommerzienrat im Jahre 1911 der Ortschaft eine neue Volksschule. Mit der Eröffnung der Schule wurde das Dorf verkabelt - die elektrische Energie hielt Einzug. Über den zeitgleich errichteten Wasserturm kam das Wasser für Mensch und Tier von nun an "aus der Wand".

Mit der Aufgabe des Postbetriebes, nebst thurn- und taxischer Pferdewechselstation im Jahre 1869 verlor der Ort seine seit 200 Jahren erworbene Identität im Postreiseverkehr zwischen Braunschweig und Hildesheim. Handwerks-, Handels-, Gaststätten- und Hotelbetriebe waren durch die Erfindung der Eisenbahn arg betroffen. Die Industriealisierung brachte für Groß Lafferde aber nicht nur negative Folgen. Mit dem Bau der Ilseder Hütte im nahen Groß Ilsede, einer Zucker- und einer Konservenfabrik sowie einer Ziegelei im Ort selbst, fanden die Menschen neue Arbeitsplätze. Keine der erwähnten Produktionsstätten ist heute mehr vorhanden. Die Waren, die einst die Ortschaft weltweit bekannt machten, gehören der Vergangenheit an.

Nur der Lafferder Markt (Jahrmarktsprivileg des Fürstbischof Friedrich-Wilhelm von Hildesheim vom 15. Januar 1787) hat alle Zeitsprünge und Umwandlungen überstanden. Wie einst im Jahr 1787, als der Markt erstmals abgehalten wurde, kommen alljährlich am letzten Mittwoch im September und darauffolgendem Donnerstag abertausende Menschen nach Groß Lafferde um an diesem weit über die Grenzen des Ortes hinaus bekannten Veranstaltung teilzunehmen.

Nur in den Nachkriegsjahren lag die Zahl der Einwohner mit ca. 3.300 höher als in heutiger Zeit. Großflächige Siedlungsgebiete sind in den letzten Jahren mit schicken Häusern bebaut worden. Die Einwohnerzahl hat die 3000er Grenze erreicht. Den altansässigen Bürgern wird es wie immer gelingen, Neubürger in die traditionellen Gebräuche der Dorfgemeinschaft mit regem Vereinsleben einzuführen. Die beste Gelegenheit hierzu ist der jährlich durchgeführte Bauernthing. Das Einkaufen der Neubürger ist der Höhepunkt dieser Veranstaltung.

Klein Ilsede

Wappen Klein Ilsede

Diese Ortschaft entwickelte sich aus "Lütteken Ilsede", das 1345 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Eine Urkunde aus dem Jahre 1321, ausgestellt von "Johann, Hugo und Ernestus de Ilsede", zeigt im anhängenden Siegel einen aufsteigenden, nach rechts gewandten Wolf, den die ehemalige Gemeinde Klein Ilsede, heute Ortschaft der Gemeinde Ilsede, in ihr Wappen übernommen hat.

Klein Ilsede gehört zu den wenigen Orten des Südkreises Peine, in denen die Aufeinanderfolge der Besitzer bei den Höfen fast immer in den Familien geblieben ist. In den letzten Jahren wurden in Klein Ilsede umfangreiche neue Wohngebiete erschlossen und bezogen. Der Wandel zur Wohnsiedlung mit günstigen Verkehrsverbindungen wird in dieser Ortschaft besonders deutlich.

Münstedt

Wappen von Münstedt

Die Ortschaft Münstedt blickt auf ein über 800-jähriges Bestehen zurück. Nach der ältesten noch existierenden Urkunde erteilte Bischof Adelog von Hildesheim am 26. Juni 1189 seine Genehmigung zum Bau einer Kapelle in Oberg bei gleichzeitiger Herauslösung der Ortschaft aus der Mutterkirche Münstedt.

Allenfalls die Ableitung des Ortsnamens aus dem Begriff "Mundat" weist nach Matthäi´s Peiner Namenskunde von 1987 auf eine wesentlich ältere Gründung hin, danach kann dieses mit "gefreiter Bezirk" gedeutet werden und datiert aus der Zeit vor 800. Hierzu passt auch, dass in einer Zeit, als in sächsischen Landen die königliche Grafschaftsverfassung etabliert wurde, die Münstedter als freie und königliche Wikbildsleute ihren Gografen selber wählten, ihre eigene Gerichtsbarkeit besaßen und pflegten und bei den Streitigkeiten zu deren Abschaffung Mitte des 18. Jahrhunderts sogar das Reichsrecht zu Wetzlar bemühten.

Die recht breiten Münstedter Durchgangsstraßen zeugen von der verkehrsgeschichtlichen Bedeutung früherer Jahre. Die bei Straßenarbeiten gefundenen Bohlen und Knüppel sind Belege für die alten Heerstraßen, die sich hier kreuzten (im Nord-Süd-Verlauf von Celle zur Kaiserstadt Goslar und im West-Ost-Verlauf der nördliche Arm des alten Hellweges Aachen-Köln-Hildesheim-Braunschweig-Magdeburg).

Die recht exponierte Lage des Dorfes an der Grenze zweier Herrschaftsbereiche, nämlich dem Braunschweigischen einerseits und den Hildesheimern andererseits, bescherte dem Ort eine wechselvolle Geschichte mit Überfällen, Raub und Brandschatzungen. Da half auch der bereits im zwölften Jahrhundert errichtete Kirchturm nicht immer, der auf Grund seiner massiven Bauausführung zugleich als Wehrturm diente. So stahlen z.B. Pfingsten 1519 die marodierenden Horden des Herzogs Heinrich von Wolfenbüttel während der Hildesheimer Stiftsfehde die Münstedter Kirchenglocken und als Tilly im dreißigjährigen Krieg 1626 auf der langen Wiese zwischen Münstedt, Klein und Groß Lafferde sein Feldlager aufschlug, kamen die Dörfer ebenfalls nicht ungeschoren davon.

Dank Unterstützung durch Bischof Siegfried II. von Hildesheim entstand Anfang des 14. Jahrhunderts neben dem vorhandenen alten Wikbild ein neues Weichbild (altes Dorf/neues Dorf). Neben den Wikbildsleuten siedelten sich im Laufe der Zeit Flachsbauern, Spinner, Leinwandweber und andere Handwerker an. Das Niedersächsische Haupt-Staatsarchiv verzeichnet für 1790 beträchtliche Mengen Leinwand, die in Münstedt aus Leingarn gesponnen wurden und über Braunschweiger Großhändler bis nach England verkauft wurden.

Heute ist Münstedt ein Dorf mit rund 1000 Einwohnern, das sich neben einigen wenigen Landwirten und Handwerksbetrieben im Schnittpunkt der Städte Peine - Braunschweig - Salzgitter - Hildesheim zu einem reinen Wohnort entwickelt hat. Die Einwohner blicken stolz auf ihre Geschichte zurück und tagen, damals wie heute, seit 1618 jährlich zu Fastnacht beim Wikbildgericht.

(nach Bernd Meyer)

Oberg

Wappen von Oberg

Die älteste auffindbare Aufschreibung über das Dorf Oberg findet sich in einer Asseburger Urkunde vom 13.Oktober 1152, in der Bischof Bernhard von Hildesheim einen Zehnten von 5 Höfen in Oberge dem Kloster Bokel bei Wilsche schenkte.

Eine weitere urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1189. Heinrich der Löwe baute auf eigenem Grund in Oberg eine Kapelle, der der Bischof Adelog von Hildesheim Pfarrechte verlieh. Den Einwohnern von Oberg erlaubte er das Recht der eigenen Pfarrerwahl. Das Patronat über die Kirche war zuerst bei der Gemeinde, kam aber später als Lehen an die Familie von Oberg. Das Patrozinium der Kirche ist im Mittelalter verloren gegangen. Auf Antrag wurde zum 800jährigen Jubiläum 1989 ein neues Patrozinium verliehen. Die ev. Kirche zu Oberg heißt jetzt "Johannes-der-Täufer-Kirche".

Das Rittergeschlecht von Oberg brachte einige bedeutende Persönlichkeiten hervor. Eilhardt von Oberg mit dem Liebes-Epos "Tristan und Isolde", als erster Dichter deutscher Sprache. Burchard von Oberg war der 51. Bischof von Hildesheim. Fritz von Oberg verteidigte in der Stiftsfehde die Burg Peine. Hilmar von Oberg wurde 1803 durch den König von Preußen in den Grafenstand erhoben. Durch das Herrengeschlecht wurde Oberg ein "Junker-Dorf" mit eigener Gerichtsbarkeit (Patrimonalgericht). 1861 ist das Geschlecht derer von Oberg im Mannesstamme ausgestorben. Anna von Oberg, die jüngste Tochter des Grafen heiratete einen Baron von Kalm, der im zweiten Drittel des vorigen Jahrhunderts in Oberg verschiedene Aktivitäten entwickelte.

Er erbaute 1855 auf den Grundmauern der ehemaligen Burg Oberg ein noch heute bestehendes Herrenhaus. Im Oberger Gutsforst wurde 1852 ein Kohlenschacht abgeteuft. Der Betrieb wurde nicht aufgenommen. Des weiteren wurde eine Ziegelei gegründet. Das Rittergut kam später in den Besitz des Baron von Uslar. 1891 erwarb es durch Kauf die Familie Leßmann. Ebenso das Patronat der Kirche. 1899 wurde die Oberger Kirche umgebaut und erweitert. 1915 erbaute Hugo Leßmann auf dem Lahberg bei Oberg den Bismarckturm. Der Turm steht heute unter Denkmalschutz und wird betreut vom Heimatverein Oberg und ist zu besichtigen.

Mit Gründung der Ilseder Hütte wurde aus dem Bauerndorf auch eine Wohngemeinde für Arbeitnehmer, was einen Bevölkerungszuwachs zur Folge hatte. Nach vielen Versuchen in Oberg Erdöl zu finden, wurde die erste Bohrung 1919 fündig. Oberg war zu einem Erdöl-Dorf geworden. Das Vereinsleben blühte auf, Handel und Handwerk florierten. Die beiden Weltkriege gingen auch an Oberg nicht ohne Opfer vorüber. Zum Gedächtnis an die gefallenen Väter und Söhne gibt es in Oberg ein außergewöhnliches Ehrenmal, das vom Heimatverein gepflegt wird.

(von Hans Sievers +)

Ölsburg

Wappen Ölsburg

Ölsburg ist eine der ältesten Siedlungen im Fuhsetal. Die Burg auf dem Gebiet des heutigen Ortsteils der Gemeinde Ilsede war ein Verwaltungsmittelpunkt der fränkischen Kaiser. Eine Urkunde aus dem Jahr 1003 vermerkt, dass der Besitz des Grafen Altmann in ein weltliches Chorherrenstift umgewandelt wurde. Im 12. Jahrhundert gliederte sich diesem Stift eine geistliche Probstei an.

Zwischen den Herzögen von Braunschweig und den Bischöfen von Hildesheim wurden in der Folgezeit viele Streitigkeiten und Kämpfe um Ölsburg ausgefochten. Von 1643 bis 1941 war Ölsburg (mit der seit 1875 bestehenden Hüttenarbeitersiedlung Neuölsburg) eine Braunschweiger Enklave innerhalb des Landkreises Peine.

Solschen

Wappen Solschen

Diese Siedlung wird erstmalig 1161 urkundlich erwähnt; seit dem 13. Jahrhundert wurde zwischen Groß und Klein Solschen unterschieden. Bis zur Reformation war Solschen Sitz eines Archidiakonats, von 1827 bis 1965 Sitz eines Kirchenkreises (Superintendentur).

Durch den Zusammenschluss von Groß und Klein Solschen wurde am 01.01.1964 die Gemeinde Solschen gebildet. Seit dem 1. Februar 1971 ist Solschen die flächenmäßig größte Ortschaft der Gemeinde Ilsede mit noch deutlich hervortretendem landwirtschaftlichen Charakter.